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SEGELKAFFEE
31. März 2021

Die Vorstellung einer

… idealen, globalen Wirtschaft bedeutet für uns einen grundlegenden Wandel der Prämissen. Kooperation statt Konkurrenz und hochwertige, durchdachte Materialkreisläufe müssen die Grundlagen sein, um neben den lokalen Beziehungen auch einen gerechten Welthandel zu schaffen. Schneller, immer mehr und größer sind keine Grundlagen, auf denen ein globaler Handel zukunftsfähig gestaltet werden kann. Wie können wir schon jetzt nachhaltig wirtschaften und trotz der weitreichenden Ungerechtigkeiten so zukunftsfähig wie möglich handeln?

Avontuur auf hoher See
Avontuur auf hoher See

Die gesamte Wertschöpfungskette zählt

Neben der solidarischen Ausrichtung, also der frühzeitigen Finanzierung und gemeinsamen Aushandlung der Preise und Abläufe, stehen für uns die nachhaltige Ausrichtung aller Schritte der Wertschöpfungskette im Fokus, um für alle Beteiligten gerechte Gestaltungsmöglichkeiten zu schaffen.

Sehr früh haben wir uns für den Transport mit dem Segelschiff entschieden. Momentan gibt es keine Möglichkeit zu 100 % nachhaltig mexikanische Kaffeebohnen nach Europa zu transportieren. Unser Handeln hat fast immer auch eine Wirkung auf die Umwelt. Das gilt gleichermaßen für den Transport mit der Avontuur wie auch für den Transport mit einem Containerschiff. Es gilt die verursachten Schäden zu betrachten, zu beurteilen und eine informierte Entscheidung zu treffen, um die Auswirkungen so nachhaltig wie möglich zu gestalten.

Wetterlage auf See
Wetterlage auf See

Die alleinige Betrachtung von CO2-Emissionen

… reicht dabei nicht aus. Wichtig ist, dass wir ein Verständnis dafür erlangen, dass ökologische Nachhaltigkeit mehr als nur diese eine Kennziffer ist. Lärmemissionen oder die Vergiftung maritimer Ökosysteme durch Öllecks sind nur zwei von unzähligen Beispielen hierfür. Nichtsdestotrotz sprechen wir uns dafür aus, dass CO2-Emissionen sichtbar gemacht und in Endpreise eingerechnet werden, um entstehende Schäden zu reduzieren bzw. mindestens um entstandene Schäden zu kompensieren.

In Kooperation mit der Timbercoast

Mit der Partnerschaft mit der Timbercoast (die Betreiber der Avontuur) möchten wir ein Zeichen setzen. Ein Zeichen dafür, dass globaler Handel auch per Segelschiff möglich ist. Mit dem Transport per Segelschiff können wir zeigen, dass ein schneller Transport von Mexiko nach Europa nicht alternativlos ist. Die wahre Distanz, die zurückgelegt werden muss, wird hiermit sichtbar. In der Erntezeit von November bis Februar werden die Kaffeebohnen für den Genuss vorbereitet. Der Transport muss demnach auch nur einmal im Jahr geschehen. Damit ist der Grundstein für unsere Transportlogik gelegt und die Notwendigkeit eines möglichst schnellen Transports per Containerschiff demnach nicht gegeben. Wir müssen uns in der logistischen Planung nur vernünftig darauf einstellen.

Entladung 2020_Christoph Bogner
Entladung 2020_Christoph Bogner

Alles nach Plan

Eine verlangsamter Transport, der genau das erfüllt, was wir brauchen (also ein Transport der Kaffeebohnen von Mexiko nach Europa), muss nicht auf den Tag genau planbar sein. Es ist wichtig, schon heute zu zeigen, dass in einer globalisierten Welt nun mal nicht alles planbar sein muss und dass Wind und Wetter Naturkräfte sind. Natürlich ist es dennoch ärgerlich, wenn Verzögerungen der Überfahrt nicht durch Wind und Wetter oder schlechte Planung verursacht werden, sondern vor allem an der Bevorzugung von Containerschiffen und (nach unserem Verständnis) an illegitimen Maßstäben des Hafenmanagement liegen. So wird es auch in diesem Jahr sein. Erneut muss die Timbercoast enorme Summen für die Erlaubnis zahlen, überhaupt Waren aufzuladen und in Häfen vor Anker zu gehen. Damit werden sie mit Containerschiffe gleichgesetzt. Vor allem liegt dies an der unverhältnismäßigen Betrachtung von zukunftsweisenden Transportmöglichkeiten und einer Nichtbeachtung des Potentials des Segeltransports. Wir sind dankbar, dass sich die Timbercoast jedes Jahr aufs Neue aufmacht und zeigt, dass es trotz der Schwierigkeiten möglich ist.

Ein Zeichen setzen

Wir sind uns sicher, dass das Segeln mit der Avontuur nicht die Lösung aller Nachhaltigkeitsprobleme im globalen Transportwesen ist. Dies hängt unter anderem mit der Größe des Schiffes und der damit verbundenen, eingeschränkten Wirtschaftlichkeit zusammen. Dennoch ist es momentan die einzige sinnvolle Option, um Kaffee aus Mexiko nach Europa mit alternativen Transportmitteln zu befördern. Und genau das ist ausschlaggebend für uns. Das “ein Zeichen setzen” für einen nachhaltigeren und alternativen Transport von globalen Gütern, denn ein “Weiter wie bisher” darf es nicht geben.

Hoch hinaus bei der Entladung 2020_Michael Sommer
Hoch hinaus bei der Entladung 2020_Michael Sommer

Zukunftsfähiger Transport

Durch die Initiative und den Mut der Timbercoast wird es weitere Projekte geben, die einen nachhaltigen und globalen Handel möglich machen. Es braucht Pioniere, die in der kurzfristigen Betrachtung, noch nicht alles perfekt machen aber dennoch Zukunftspotential aufzeigen. Schon heute gibt es geniale Ansätze wie Brigantes und Sailcargo Inc./CEIBA. Letztere machen sich auf, um ein positives Beispiel zu erbringen, in Form eines enorm effizienten Segelschiffs. Das riesige, in Costa Rica, selbstgebaute Segelschiff, wird aufgrund seines Fassungsvermögens, der modernen Technik und des grandiosen Konzepts wirklich zukunftsfähig und nachhaltig transportieren. In Kürze werden wir dieses Thema noch vertieft betrachten und unsere Berechnungen des Impacts von der Kaffeeblüte bis zur Kaffeetüte bereitstellen. Seid gespannt!

Avontuur im Sonnenaufgang kurz vor Hamburg 2020
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